Unter Graphomotorik versteht man die fließenden, rhythmischen Bewegungen, die wir alle tagtäglich ausführen, wenn wir mit der Hand schreiben. Was den meisten von uns schon früh in Fleisch und Blut übergegangen und so selbstverständlich geworden ist, erweist sich bei genauerem Hinschauen als überaus komplexer Prozess, der nicht nur auf körperliche und kognitive Voraussetzungen angewiesen ist und auf unterschiedliche Ressourcen zurückgreift, sondern dadurch auch auf verschiedene Weise störungsanfällig wird.
In einer Gesellschaft, in der Lesen und Schreiben nach wie vor zu den wichtigsten Kulturtechniken überhaupt zählen und vielfach die Teilnahme an kulturellen Praktiken erst ermöglichen, helfen wir Kindern, die Probleme beim Schreiben haben und erwachsenen Patienten, die das Schreiben z.B. nach einer schweren Erkrankung neu lernen müssen.
Wir korrigieren dabei nicht nur die Stifthaltung oder unterstützen die Patienten bei der Entwicklung eines leserlichen Schriftbildes, sondern trainieren auch die für das Schreiben wichtigen Grundkompetenzen. Denn Schreiben setzt
- eine altersentsprechende Handmotorik
- eine angemessene visuelle Wahrnehmung
- die Koordination von Auge und Hand
- das Erkennen und Wiedererkennen von Formen
- eine angemessene Körperspannung
- die Dosierung der eigenen Kraft
- eine ausreichende Schulter-Ellenbogengelenkbeweglichkeit
- eine gute taktile und kinästhetische Wahrnehmung
und viele andere Fähigkeiten voraus, die uns im Alltag in aller Regel nicht bewusst sind.